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VNN im Gespräch


Dr. Cornelia Sussieck, Vorsitzende des VNN, im Gespräch mit Dr. René Pöltl, Oberbürgermeister von Schwetzingen am 8. Januar 2010

Sussieck: Auf der Website der Stadt Schwetzingen findet man viele Artikel, wenn man das Stichwort Digitalisierung eingibt. Welche Emotionen verbinden Sie ganz spontan mit dem Begriff Digitalisierung?
Pöltl: Wir befinden uns in einem grundlegenden Wandel unserer Gesellschaft, schon seit 200 Jahren. Dieser Wandel ist zu sehen im Rahmen von Dampfmaschine – Industrielle Revolution – Auto. Der aktuelle Prozess ist noch gravierender und unvorhersehbarer. Viele Berufe fallen weg und es ist noch völlig unklar, welche hinzukommen. Zur Kommunalwahl letztes Jahr musste ich z.B. einen Facebook-Account eröffnen. Was dort passiert, übersteigt alle Vorstellungen. Der Umbruch betrifft alle Lebensbereiche, so wie die Industrialisierung vor über 150 Jahren. Er macht vor gar nichts halt. Die negativen Auswüchse sind Bedrohungen und Beschimpfungen. Diese kommen aus unserer Generation, nicht von den Jugendlichen. Meine 15-jährige Tochter sagt mir, dass es Regeln bei ihrer digitalen Kommunikation gibt, an die sich auch tatsächlich die meisten halten.
Dr. René Pöltl, Oberbürgermeister von Schwetzingen
Sussieck: Wie geht die Stadt mit diesen Veränderungen um?
Pöltl: Die Jugend ist ganz woanders unterwegs als wir, die Älteren. Deshalb haben wir uns überlegt, wie wir sie erreichen können und haben für viel Geld eine APP entwickeln lassen. Damit könnten die jungen Leute alles über Schwetzingen erfahren und beispielsweise Veranstaltungen sehen. Nur sehr wenige Jugendliche haben diese APP benutzt. Wir wissen nicht warum. Wir können das einfach nicht mehr überblicken, was zurzeit passiert. Die Veränderungen sind fundamental und nicht absehbar. Es passiert einfach und wir können es nicht steuern. Niemand kann das, denn niemand weiß, wohin die Reise geht.
Wir brauchen Rückzugsräume in der Gesellschaft. Deshalb sind wir Mitglied bei „Cittaslow“ (https://www.cittaslow.de/), einer Vereinigung kleiner Städte, die entschleunigen und sich auf die eigenen Qualitäten besinnen wollen. Das versuche ich in Schwetzingen recht erfolgreich umzusetzen.

Sussieck: Das Innenministerium von Baden-Württemberg heißt sogar „Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration Baden-Württemberg“. Was hat das Ihrer Meinung miteinander zu tun?
Pöltl: Vermutlich schlicht ein Ergebnis der Koalitionsverhandlungen. Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche.

Sussieck: Welche Aufgaben haben die Schulen heute im Zeitalter der Digitalisierung?
Pöltl: Ich bin stolz, dass die Stadt Schwetzingen alle Schulformen anbieten kann. Wirklich alle. Ein sehr wichtiges Thema auch der Schulen ist der Umgang miteinander. Die Kinder sind in der digitalen Welt Zuhause und dort sehr präsent. Eltern und Schule müssen anders begleiten, damit bestimmte, für die Gesellschaft grundlegende Dinge erhalten bleiben. Wir müssen uns fragen: Wie können wir den Rahmen schaffen, damit unsere Gesellschaftsform und unser Wertesystem unter der Veränderung nicht leiden? So müssen z. B. Grenzen gesetzt werden. Andernfalls entwickeln sich die Dinge automatisch ohne unseren Einfluss.

Sussieck: Der DigalPakt Schule vom Bildungsministerium in Berlin hat für die Schulen fünf Milliarden Euro über fünf Jahre versprochen. Das ist doch ein Tropfen auf den heißen Stein. Das BMBF schreibt selbst: „Rein rechnerisch bedeutet dies für jede der ca. 40.000 Schulen in Deutschland im Durchschnitt einen Betrag von 137.000 Euro oder umgerechnet auf die derzeit ca. elf Millionen Schülerinnen und Schüler eine Summe von 500 Euro pro Schüler.“ Wie bewerten Sie die Aktion aus Berlin?
Pöltl: Der technische Aufwand ist Job der Gemeinde. Wir haben deshalb eine neue Stelle geschaffen für den technischen Support der Schulen. Die Idee, mit dem Geld Geräte zu kaufen, ist völlig unsinnig, weil die Geräte nach spätestens fünf Jahren veraltet sind. Dies aber fordert der DigitalPakt. Wir leasen die Geräte und sie werden alle zwei Jahre gegen neue und moderne ausgetauscht. Das ist viel sinnvoller und billiger. Wir müssen das aber dann von unserem eigenen Geld bezahlen. Aus Berlin kam noch kein Geld, die Kommunen marschieren aber schon. Bei uns haben die Schulen bislang alles, was sie brauchen.

Sussieck: Das BMBF schreibt auch: „Der Bund stellt finanzielle Mittel zum Aufbau digitaler Bildungsinfrastrukturen bereit. Die Länder steuern die Entwicklung medienpädagogischer Konzepte durch die Schulen, kümmern sich um die Qualifizierung von Lehrkräften – über die Lehrerbildung, das Referendariat bis hin zur Weiterbildung – und prüfen, dass alle Antragsteller (in der Regel Kommunen als Schulträger und freie Schulträger) über Konzepte zur Sicherstellung von Betrieb, Support und Wartung verfügen. Daneben entscheiden die Länder, ob und wie sie mobile Endgeräte in ihren Lernmittelregelungen berücksichtigen.“ Wie stehen Sie dazu?
Pöltl: Die Schulen tun mir leid. Es werden Erwartungen geschürt, die nicht zu erfüllen sind.

Sussieck: Gibt es in Schwetzingen noch andere Schulen außer dem CT, die maßgeblich Mittel für die Digitalisierung beantragt und bekommen haben?
Pöltl: Die Schulen, die Bedarf haben, haben von uns bekommen, was sie brauchen, dies wird auch künftig so bleiben.

Sussieck: Was wünschen Sie sich von der „Politik“ für die Anpassung der Schulen an die moderne Zeit, vom preußischen System zum System des 21. Jahrhunderts?
Pöltl: Schulpolitik braucht einen klaren inhaltlichen Plan für Lehrer und für Schüler mit den Inhalten, wie wir uns als Gesellschaft definieren wollen. Zurzeit sind die Schulen vielfach auf sich alleine gestellt. Das ist nicht gut. Wir brauchen einen einheitlichen Plan!

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